Wer ist der beste Wrestler der Welt?

Es gibt keinen Zweifel: Daniel Bryan ist der beste Wrestler der WWE. Wenn er in den Ring steigt, zeigt er Wrestling der Extraklasse. Von vielen unterschätzt, teilweise fällt Bryan gar nicht auf. Die Leistungen dieses Mannes sind aber unangefochtenes Top-Niveau. In diesem Video erfahrt ihr, warum Bryan so großartig ist, was ihn zum besten Wrestler der WWE macht und wie er da hin kam. Wir starten aber mit einem Zeitsprung zurück in die Vergangenheit.

Es ist der 3. Mai 2010: Eine eher weniger wichtige Ausgabe von Monday Night Raw. Im Rahmen einer Beat-the-Clock-Challenge steht im nächsten Match das Aufeinandertreffen des United States Champion The Miz gegen den mehrfachen World Champion Batista bevor. Miz hat heute keine große Lust auf einen Kampf mit „The Animal“ und schickt stattdessen als Ersatz seinen damaligen NXT-Rookie in den Ring: Daniel Bryan.

Der ein oder andere TV-Zuschauer erkannte diesen WWE-Neuling vielleicht sogar noch als Bryan Danielson aus der globalen Indy-Wrestling-Szene wieder, doch dem Großteil des WWE-Publikum erschien an dieser Stelle ein unspektakulär aussehender junger Mann, neben dem sein „NXT-Mentor“ The Miz kräftiger und charismatischer wirkte. Selbstbewusst riss Daniel Bryan seinem vermeintlichen Lehrmeister das Mikrofon aus der Hand und kündigte an: „I’m gonna make Batista tap out!“

Im anschließenden Match machte „The Animal“ nach knapp fünf Minuten kurzen Prozess mit Bryan. Diese Abreibung kann metaphorisch verstanden werden für Daniel Bryans erste Monate bei WWE. Denn nur wenige Woche später wird er zunächst gefeuert für einen zu brutalen Würgegriff gegen Ringsprecher Justin Roberts beim ersten Raw-Auftritt von The Nexus. Ein No-Go im WWE-Jahr 2010, als nach der Tragödie um die Familie Benoit gerade mal drei Jahre vergangen waren und sich das Fernsehprodukt des Marktführers noch in den ersten Jahren der PG-Era befand. Ein herber Rückschlag für den ambitionierten Daniel Bryan, der damals schon in den Augen einiger Fans als zukünftiger World-Champion gesehen wurde.

Überraschenderweise holte die WWE Bryan bereits einige Wochen später zurück, nachdem sowohl in den Veranstaltungshallen als auch im Internet vehement gegen Bryans Entlassung protestiert wurde. Die Unterstützung der WWE-Fans ermöglichte seine Rückkehr und anschließend sogar Bryans ersten Titelgewinn, als er bei Night of Champions 2010 ausgerechnet The Miz um die United States Championship besiegen durfte. Die Fans liebten ihn. Wie kaum einen anderen. Irgendetwas hat Daniel Bryan an sich, das Menschen in seinen Bann zieht. Ein eigenes Charisma. Etwas Liebenswürdiges? Oder ist es seine authentische Art und die Tatsache, dass er echt wirkt. Die Fans liebten ihn auf jeden Fall schon damals.

Seine Karriere verlief weiter mit Aufs und Abs. Zwar gelang ihm beispielsweise der Gewinn des World Heavyvweight Championships bei SmackDown im Frühjahr 2012, doch dieser Titel war damals bestenfalls zweitrangig. Auch wenn Bryan neben CM Punk und John Cena in diesen Jahren der wahrscheinlich beliebteste WWE-Superstar war, kam er nie wirklich über den Status zwischen Mid- und Upper-Card hinaus. Bei WrestleMania 28 verlor er gegen Sheamus innerhalb weniger Sekunden. Der nächste herbe Rückschlag in Daniel Bryans Karriere zog eine bedeutende Frage mit sich: Wird der „American Dragon“ jemals den Durchbruch schaffen?

Es ist eine spannende Frage: Reichen Publikumsreaktionen bei WWE aus, um eine Planänderung zu verursachen? Um eine grundsätzliche Meinung über einen Wrestler zu verändern? Daniel Bryan wurde nie als der prädestinierte Main-Eventer gesehen. Die Fans brachten ihn dahin. Im frühen Sommer 2013 begannen die Fans damit, Daniel Bryan zu hypen. In Segmenten, in denen er die Nebenrolle spielte, gaben die Fans ihm die Hauptrolle.

Drei Jahre nach Daniel Bryans Rückkehr zur WWE. SummerSlam 2013. Eine Veranstaltung, welche über seine Zukunft entscheiden wird. In einem fantastischen Match gelingt ihm sogar das Unerwartete, als Bryan mit seinem neuen Finishing Move (dem Running Knee Strike) niemand geringeres als John Cena den WWE-Titel abnimmt. Ein überglücklicher Daniel Bryan feiert mit der entfesselten Crowd diesen ganz großen, so historischen Moment. Es gibt ohrenbetäubende Yes-Chants und alles scheint perfekt. Zu perfekt …

Denn dieser ganz kurze Moment des Triumphs wird von Triple H & Randy Orton unterbrochen. Pedigree gegen Bryan. Cash In von Orton. Titelwechsel. Schon wieder geht Daniel Bryan also leer aus. In den folgenden Wochen wird Daniel Bryans mangelnde Star-Power zum Thema in den TV-Shows. Es ist der offizielle Beginn einer Storyline, welche sich vom Sommer bis hin zu WrestleMania 30 ziehen wird. Immer wieder thematisiert die WWE dabei an was es Daniel Bryan angeblich so sehr fehlen würde, um im Main Event eingesetzt zu werden. Er sei zu unscheinbar, generisch, klein und schmächtig für die ganz große Bühne. Sein Bart wäre zu lang, das Äußere zu ungepflegt. Zwar wissen alle, was D-Bryan im Ring kann und womöglich auch, dass er dies besser macht als wohl jeder und jede andere im Kader – doch selbst das scheint nicht genug zu sein, um die Authority vor oder hinter den Kulissen zu besiegen.

Und wie reagiert Daniel Bryan? Dieser antwortet allen Widrigkeiten mit regelmäßigen Weltklasse-Leistungen in seinen Matches, einer unnachahmlichen Arbeitsmoral und der Formierung seiner zahlreichen Fans und Unterstützer als das Yes-Movement. Im Jahr 2014 verbreitet sich der Yes-Taunt anschließend auf der ganzen Welt nicht nur bei WWE- oder Wrestling-Veranstaltungen, sondern zum Beispiel auch in Football-Stadien. Das Yes-Movement erreicht selbst das deutsche Fernsehen, als Rapper Eko Fresh bei einer Veranstaltung auf ProSieben plötzlich Daniel Bryans Yes-Taunt immitiert. Niemand kann Bryan im Jahr 2014 noch ernsthaft vorwerfen, es fehle ihm an Star-Power.

WWE hatte keine andere Wahl. Die Verantwortlichen entschieden sich dafür, Daniel Bryan zum Main-Event von WrestleMania 30 hinzuzufügen. So wird aus Batista vs. Randy Orton ein Triple Threat Match um den WWE-Titel. Auf der größten Bühne, welche die Sportart des Pro Wrestling zu bieten hat, gelingt Daniel Bryan

einmal mehr das Wunder. Sein Versprechen vom Mai 2010, den übermächtig wirkenden Batista zur Aufgabe zu bringen, hält er also fast vier Jahre später ein. Es ist Bryans Karriere-Schlüsselmoment. Die Emotionen überfluten das Superdome-Stadion. Es wirkt perfekt. Zu perfekt …

Bryan ist die Aufs und Abs gewöhnt. Kurz nach dem Titelgewinn scheidet er angeschlagen aus. Mehrere Verletzungsserien verhindern einen würdigen Run von Bryan Danielson als World Champion. Er wird zum Stammgast beim medizinischen Personal von WWE. Anfang 2016 beendet Bryan schweren Herzens vorerst seine Karriere. Dieses Mal ist es also das Schicksal, welches den besten Wrestler der WWE in die Knie zwingt. Es folgt eine persönliche Leidenszeit für Bryan, er zieht notfalls auch einen Abgang von WWE in Betracht. Denn sein erklärtes Ziel ist es, der beste Wrestler der Welt zu sein, egal wie. Heute berichtet Bryan in Interviews häufig davon, wie sehr er unter dieser Zwangspause zu leiden hatte.

Allerdings wissen wir inzwischen, dass die Daniel Bryans WWE-Karriere immer wieder für eine Überraschung gut ist. Denn im Jahr 2018 geben die WWE-Ärzte tatsächlich grünes Licht: Bryan ist zurück im Ring! Sein aktueller Run bei WWE bestätigte ihn in seiner Ausnahmestellung hinsichtlich sportlicher Performance, Arbeitseifer und Persönlichkeit. Mit seinem Gimnick als „The New“ Daniel Bryan traf der langjährige Veganer einen Nerv des Publikums und zählte für mehrere Wochen zu den Highlights der TV-Shows. Auch den WWE-Titel gewann Bryan erneut. Diesen gab er erst dieses Jahr bei WrestleMania ab, allerdings nicht aufgrund einer Verletzung oder einer Intrige der Authority, sondern als würdiger Champion, der sich dem Herausforderer Kofi Kingston nach einem intensiven, wie auch sehenswerten Kampf geschlagen gibt. Die Reputation von Daniel Bryan steht im Jahre 2019 bei WWE nicht mehr in Frage, er ist eine der wichtigsten personellen Konstanten im aktuellen Kader von SmackDown auf FOX. Die lange Geschichte von Daniel Bryan spiegelt wider, was ihn zum Besten seiner Generation macht. Niemand sonst arbeitete in den letzten Jahren unermüdlicher an sich und seinen Fähigkeiten. Wer sonst hat sich gegen so viele unüberwindbar scheinende Widrigkeiten durchgesetzt? Als Daniel Bryan Ende 2009 bei WWE unterschrieb, nahm er bereitwillig den „Umweg“ über das damals noch ganz anders funktionierende NXT in Kauf – obwohl

Bryan Danielson eigentlich schon für etliche Wrestling-Fans weltweit als Star galt. Er galt als der Beste außerhalb von WWE. Seine Indy-Klassiker gegen Samoa Joe, CM Punk oder KENTA sind inzwischen moderne Klassiker. Trotzdem gab es eine Menge Zweifler, die Bryan den ganz großen Erfolg bei WWE niemals zugetraut hätten.

Anfang 2020 lässt sich mit Fug und Recht die These aufstellen, dass aus dem besten Indy-Wrestler der 2000er (Bryan Danielson) der beste WWE-Superstar der 2010er (Daniel Bryan) wurde.

Es scheint heute unumstritten, dass Daniel Bryan der Beste bei WWE ist. Sein Ziel war es aber, der Beste der Welt zu sein. Und das hat er geschafft. Es gelang ihm durch eine unnachahmliche Leidenschaft für das Wrestling und seiner Bereitschaft, an jeder vermeintlichen Schwäche hart zu arbeiten. Darum ist Bryan heute das perfekte Gesamtpaket aus Wrestling-Skill, beliebter Persönlichkeit und Authentizität. Kaum jemand hat Wrestling auf so einer Ebene verstanden, wie Daniel Bryan. Seine Charakter-Arbeit, die Fähigkeit das Publikum zu beeinflussen und auf seine Seite zu ziehen, aber auch gegen ihn aufzubringen, wenn er es will. Seine Erfahrung im Ring, Weltklasse-Selling, ein großartiges Gespür für Storytelling und Matchpsychologie. Die Fähigkeiten am Mikrofon, die er sich hart antrainiert hat, das Charisma, das er aufgebaut hat: Daniel Bryan ist der Beste Wrestler der Welt. Bei WWE aktuell geht diese Tatsache unter. Aber wer sagt, dass Bryan auch die nächsten 10 Jahre noch bei WWE bleiben wird?

Autor: Lian Baran

Schreibe den ersten Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*